Was 5S ist
Fünf japanische Wörter, die mit S beginnen, jedes ein Schritt: Seiri Sortieren, Seiton Systematisieren, Seiso Säubern, Seiketsu Standardisieren, Shitsuke Selbstdisziplin. Sie stammen aus der japanischen Produktionspraxis und werden heute überall eingesetzt, von der Montagelinie bis ins Büro.
Die Idee ist einfach: Behalte nur, was du brauchst, gib allem seinen Platz, halte den Platz sauber, mach die Regeln für alle gleich und sorg dafür, dass jemand prüft, ob sie halten. Die ersten drei S erledigst du mit den Händen, die letzten zwei mit Gewohnheiten.
Warum es in der Werkzeugausgabe mehr zählt
In jeder Abteilung kostet Unordnung Zeit. In der Werkzeugausgabe kostet sie Maschinenzeit: Das Rüsten wartet auf das Werkzeug, das keiner findet, das Voreinstellgerät wartet auf die richtige Aufnahme, der Bediener wartet auf den Wagen.
- Suchzeit: Fünf Minuten, um einen Schaftfräser zu finden, mal jeden Rüstvorgang, ergeben jeden Monat Stunden stehender Maschinen.
- Dubletten: Was nicht zu finden ist, wird nachbestellt. Der Bestand wächst und mit ihm die Werkzeugkosten.
- Beschädigte Werkzeuge: Schneiden, die in einer Schublade aneinanderschlagen, lose Wendeschneidplatten, auf der Werkbank abgelegte Aufnahmen bekommen Ausbrüche und verlieren Genauigkeit.
- Sicherheit: Eine herumliegende Schneide ist eine Schnittwunde an der Hand.
1. Seiri · Sortieren
Fang mit dem Aussortieren an, nicht mit dem Einräumen. Geh jeden Schrank, jede Schublade und jeden Wagen durch und häng eine rote Karte an alles, was du für die heutige Arbeit oder die nächste Zeit nicht brauchst.
- Verschlissene oder gebrochene Werkzeuge, Wendeschneidplatten mit lauter benutzten Schneiden.
- Sonderwerkzeuge für Aufträge, die nicht mehr laufen.
- Dubletten: drei gleiche Aufnahmen, wenn nur eine im Einsatz ist.
- Persönliches Werkzeug, leere Schachteln, alte Kataloge.
Teile mit roter Karte kommen für eine feste Zeit, etwa einen Monat, in eine Quarantänezone. Wer etwas braucht, holt es sich zurück; wenn die Zeit um ist, entscheidest du: nachschleifen, mit Code zurück ins Lager, verschrotten. Nichts wird aus einer Laune heraus weggeworfen, und nichts bleibt „für alle Fälle“.
2. Seiton · Systematisieren
Alles hat einen Platz, und der Platz ist sichtbar. Der Praxistest: Jemand, der nicht in der Werkzeugausgabe arbeitet, sollte ein Werkzeug in weniger als einer Minute finden.
- Nach Familie und Code: Schränke und Schubladen so geordnet wie deine Nummerierung. Lautet der Code EM-0100-0001, liegen die Schaftfräser zusammen, nach Durchmesser.
- Den Platz beschriften, nicht nur das Teil: Die Schublade sagt, was hineingehört, auch wenn sie leer ist. Lücken siehst du sofort.
- Schattenbretter: Schlüssel, Spannzangen und Voreinstellwerkzeuge auf einer Tafel mit aufgezeichnetem Umriss. Einen leeren Umriss siehst du quer durch den Raum.
- Häufig Gebrauchtes nah: Alltagswerkzeuge auf Griffhöhe, seltene oben, schwere unten.
- Aufnahmen in Gestellen, alle gleich ausgerichtet, nie gestapelt.
- Wendeschneidplatten in ihrer Schachtel, Bezeichnung und Sorte lesbar. Eine lose Platte ist eine verlorene Platte.
3. Seiso · Säubern
In der Werkzeugausgabe ist Sauberkeit keine Kosmetik, sondern Genauigkeit. Ein Krümel auf dem Kegel oder der Spannzange wird zum Messfehler am Voreinstellgerät und zu einem Werkzeug, das in der Maschine unrund läuft.
- Kegel, Spannzangen und Futter vor dem Voreinstellen reinigen, nicht danach.
- Die Werkbank am Voreinstellgerät frei: nur das Werkzeug, das gerade gemessen wird.
- Wagen und Schubladen ohne Späne und Öl.
Säubern heißt auch hinschauen: Beim Reinigen siehst du den riefigen Kegel, die Spannzange mit Druckstellen, die ausgebrochene Schneide. Besser auf der Werkbank als in der Maschine.
4. Seiketsu · Standardisieren
Die ersten drei S, einmal gemacht, halten einen Monat. Damit sie bleiben, brauchst du Regeln, die für alle gleich sind, schriftlich und sichtbar.
- Ein Foto vom Sollzustand an jedem Schrank und Wagen: So sieht es aus, wenn alles in Ordnung ist.
- Einheitliche Etiketten: gleiches Format, gleicher Drucker, gleicher Code. Etiketten, die zehn verschiedene Leute von Hand geschrieben haben, sind schon Unordnung.
- Wenige Farben, feste Bedeutung. Zum Beispiel grün einsatzbereit, gelb zu messen, rot nachschleifen oder prüfen. Drei Farben reichen; zehn merkt sich keiner.
- Eine solide Werkzeugnummerierung als Grundlage: Ohne eindeutigen Code pro Werkzeug bleibt kein Schrank lange in Ordnung.
5. Shitsuke · Selbstdisziplin
Das schwierigste S, weil die Hände nicht reichen. Was funktioniert, ist eine kurze, regelmäßige Kontrolle, nicht ab und zu ein großes Aufräumen.
- Ein 10-Minuten-Rundgang pro Woche mit Checkliste und einer Bewertung von 1 bis 5 pro Bereich.
- Im Wechsel: jede Woche eine andere Person, so sieht jeder mit den Augen der anderen.
- Die Bewertung an der Wand, mit dem Verlauf der Wochen. Sie ist nicht dazu da, jemandem die Schuld zu geben: Sie zeigt, ob es abrutscht.
- Wer leitet, geht mit gutem Beispiel voran: Wenn der Erste, der ein Werkzeug auf der Werkbank liegen lässt, der Vorgesetzte ist, sind die Regeln nichts wert.
Ein Beispiel: der Rüstwagen
Ein erfundener, aber typischer Fall. Vorher: ein Wagen pro Abteilung, Werkzeuge verschiedener Aufträge durcheinander, der Bediener läuft bei jedem Rüsten zur Werkzeugausgabe und zurück. Nach 5S:
- Ein Wagen pro Maschine oder Maschinengruppe, mit gut sichtbarer Nummer.
- Der nächste Auftrag vorbereitet: Werkzeuge gemessen, mit grüner Karte, in der Reihenfolge von Revolver oder Magazin.
- Ein Fach nur für das, was zurückkommt, mit gelber oder roter Karte.
- Das Foto vom richtigen Wagen seitlich angeklebt.
Das Ergebnis ist kein schönerer Wagen, sondern ein Rüstvorgang, der beginnt, ohne dass du etwas suchen musst.
Häufige Fehler
- Der große Aufräumtag: einmal gründlich ausmisten, dann nichts mehr. Einen Monat später ist alles wie vorher.
- 5S für andere machen: Wenn die Werkzeugausgabe Schränke ohne die Leute aufräumt, die sie benutzen, werden diese Leute sie nicht respektieren.
- Zu viele Farben und Regeln: Das System muss auf eine Seite passen.
- Aussortieren, ohne zu entscheiden: Die Quarantänezone wird zum zweiten Lager.
- Das Teil beschriften, nicht den Platz: Wenn das Werkzeug fehlt, weiß keiner, dass es fehlt.
Checkliste zum Ausdrucken
- Auf der Werkbank am Voreinstellgerät liegt nur das Werkzeug, das gerade gemessen wird.
- Jede Schublade und jedes Fach ist mit dem Inhalt beschriftet.
- Keine losen Wendeschneidplatten: alle in ihrer Schachtel, Bezeichnung lesbar.
- Kegel und Spannzangen sauber, im Gestell, gleich ausgerichtet.
- Das Schattenbrett ist vollständig.
- Die Wagen entsprechen dem Foto vom Sollzustand.
- Die Farbkarten sind die vereinbarten, mit der vereinbarten Bedeutung.
- Kein Werkzeug ohne Code.
- In der Quarantänezone liegen nur datierte Teile mit roter Karte.
- Die Bewertung dieser Woche hängt an der Wand.